• Die 1963 gegründete Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung ist eine private Stiftung des bürgerlichen Rechts zur Förderung der Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet der Naturwissenschaften.

  • Seminar im „WE-Heraeus-Hörsaal“ des Physikzentrums Bad Honnef. Die Reihe „WE-Heraeus-Seminare“ ist das Flaggschiff im Förderprogramm der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung.

  • Die Stiftung fördert Lehrerfortbildungen zur Teilchenphysik, Quantenphysik oder Astronomie, die z.B. am XLAB in Göttingen durchgeführt werden.

  • Schüler-Observatorium auf dem Dach eines Gymnasiums: An 6 identischen Teleskopen kann eine komplette Klasse Sterne und die Sonne beobachten. Ein Beitrag der Stiftung zum modernen Physikunterricht.

  • Die Stiftung initiiert und finanziert Buchproduktionen zur Verbreitung von Faktenwissen über gesellschaftlich bedeutende Themen (für SchülerInnen) sowie zur Ausbildung von LehrerInnen.

651. WE-Heraeus-Seminar

Longrange Interactions 

Der Titel dieses Seminars, das vom 25. bis 27. Oktober 2017 im Physikzentrum stattfand, erscheint zunächst recht ungenau, weil jeder etwas anderes unter langreichweitigen Wechselwirkungen versteht. Diese Ungenauigkeit erlaubte es jedoch, verschiedene Forschungsrichtungen in einem Seminar zusammenzubringen, um dann von deren Gemeinsamkeiten zu profitieren. Während sich ein Großteil der Teilnehmer aus 15 Nationen mit ultrakalten Ionen, Atomen und Molekülen und deren Wechselwirkungen in verschiedensten Kombinationen und Regimen beschäftigt, gab es auch Beiträge aus vollkommen anderen Gebieten, zum Beispiel zur dunklen Materie und exotischen Wechselwirkungen, Simulationen zur Hochenergiephysik und zu Kräften auf sehr kurzen Längenskalen. Besonders im Fokus standen die dipolaren Quantengase aus Erbium- oder Dysprosiumatomen, die durch die langreichweitige magnetische Dipol-Dipol-Wechselwirkung dominiert werden. Vor allem die Erweiterung der bestehenden Theorien für ultrakalte Quantengase wurde ausgiebig diskutiert. Auch in kalten Gasen polarer Moleküle kann die Dipol-Dipol-Wechselwirkung dominieren und das bei noch deutlich kleineren Dichten. Wie sich ein quantenentartetes Gas dieser stark wechselwirkenden Moleküle herstellen lässt, ist dabei eine der aktuell spannendsten Fragen. Ein weiteres dipolar gekoppeltes System war durch Ensembles von hochangeregte Rydberg-Atomen vertreten. Hier findet die Kopplung über einen nichtradiativen Förster-Energietransfer statt, welcher in 1D, 2D und inzwischen sogar in 3D untersucht wird. Neben den dipolaren Kopplungen lag ein Fokus auch auf den Langevin-artigen Potentialen ~ 1/r4 die bei der Kopplung zwischen Ladungen und Neutralatomen entstehen, zum Beispiel bei Ionen und Elektronen innerhalb eines Bose-Einstein-Kondensats. Erfreulich war auch die große Anzahl der Poster und die lebhaften Diskussionen darüber, die bis lange in die Nacht gingen. Wir danken der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung für die großzügige Förderung. Eine Fortsetzung dieses Seminars ist bereits geplant: Vom 25. bis 28. Juni 2018 findet es in ähnlicher Form wieder in Hannover unter der Organisation von Silke Ospelkaus statt.

 

Dr. Robert Löw, Universität Stuttgart; Dr. Antoine Browaeys, Institut d’Optique, Université Paris-Sud;  Prof. Dr. Francesca Ferlaino, Universität Innsbruck