Seminarbericht

Supernova-Explosionen stellen die moderne Astrophysik selbst nach jahrzehntelanger Forschung noch vor neue Fragen.  Dank großangelegter astronomischer Beobachtungsprogramme und besserer Möglichkeiten zur theoretischen Modellierung auf Höchstleistungsrechnern ist unser Verständnis für diese Phänomene in den letzten Jahren erkennbar gewachsen. Aufseiten der Beobachtungen ist nicht nur ein massiver Anstieg der bloßen Zahl der Supernova-Entdeckungen im Rahmen von Surveys zu verzeichnen (PanSTARRS, PTF); bedeutend ist ebenso, dass für viele Explosionen auch hochwertige spektroskopische Daten für verschiedene Phasen vorliegen. Die theoretische Modellierung stützt sich zunehmend auf dreidimensionale numerische Simulationen verschiedenster Supernova-Typen: von thermonuklearen Explosionen weißer Zwerge über neutrinogetriebene und magnetohydrodynamische Modelle für Kernkollaps-Supernovae bis hin zu noch hypothetischen Szenarien wie Paarinstabilitäts-Supernovae. Moderne Algorithmen für Strahlungstransportprobleme und das Studium der Nukleosynthese in Sternexplosionen helfen zunehmend, eine Brücke zwischen den theoretischen Modellen und den Beobachtungen zu schlagen.

Das 660. WE-Heraeus-Seminar, das vom 21. bis 24. Januar 2019 in Bad Honnef stattfand, bot 63 Teilnehmern aus vier Kontinenten die Gelegenheit, Sternexplosionen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Nach einer einleitenden Präsentation zur Geschichte der Supernova-Forschung und den nach wie vor unbeantworteten Fragen stellten 13 Überblicksvorträge kompetent und umfassend den Stand der astronomischen Beobachtungen sowie der numerischen Modelle für Hydrodynamik, Strahlungstransport und Elemententstehung dar. Dank eines reichhaltigen komplementären Programms mit 20 Kurzvorträgen ergab sich eine fruchtbare Diskussion, die Strittiges nicht aussparte und den Teilnehmern ein solides Bild von der Belastbarkeit jüngster Forschungsergebnisse vermittelte. Dass Supernova-Forschung nach Jahrzehnten nichts an Dynamik eingebüßt hat, zeigte die starke Präsenz von Nachwuchswissenschaftler/innen, deren Kurzvorträge und Posterbeiträge beträchtliche Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Die gemeinsame Unterbringung und Rundumversorgung im Physikzentrum Bad Honnef erlaubte den Teilnehmern einen intensiven Gedankenaustausch auch außerhalb des Hörsaals. Für viele ergaben sich fruchtbare neue Querverbindungen. Für die perfekte Vorbereitung und Begleitung und die großzügige Förderung seitens der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung bedanken wir uns herzlich im Namen aller Teilnehmer!

 

Dr. Anders Jerkstrand, Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching

Dr. Markus Kromer, Heidelberger Institut für Theoretische Studien & Universität Heidelberg

Dr. Bernhard Müller, Monash University, Melbourne