Seminarbericht
Neunzig Jahre nach der Veröffentlichung des einflussreichen „EPR“-Papers von Albert Einstein, Boris Podolsky und Nathan Rosen brachte dieses Seminar die internationale Community der Quanteninformationstheorie zusammen, um dessen wissenschaftliches Erbe zu würdigen. Das Treffen fand vom 7. bis 10. April 2026 im Physikzentrum Bad Honnef statt und beleuchtete sowohl die historische Entstehung als auch die anhaltende Relevanz des Paradoxons für die moderne Forschung.
Im ursprünglichen EPR-Argument stellten die Autoren die Vollständigkeit der Quantenmechanik infrage: Durch verschränkte Zustände, bei denen Messungen an einem Teilchen unmittelbar Aussagen über ein entferntes System erlauben, schien die Theorie entweder nicht-lokal oder unvollständig zu sein. Dieses Spannungsfeld prägt bis heute die Grundlagenforschung.
Das Seminar eröffnete mit historischen Perspektiven von C. Lehner (IQOQI Wien), der insbesondere die Rolle von Erwin Schrödinger in der Entstehung des EPR-Papers hervorhob, sowie H. Wiseman (Griffith University, Brisbane), der die Brücke zur Gegenwart schlug, indem er zeigte, wie das Phänomen unter dem Begriff „Quantum Steering“ Anfang des 21. Jahrhunderts erneut in den Fokus gerückt ist.
Die große Aktualität des Themas spiegelte sich in einem internationalen, diversen Teilnehmerfeld wider, das sowohl führende Expertinnen und Experten des Gebiets als auch zahlreiche Nachwuchsforschende umfasste. Diese Mischung ermöglichte einen besonders fruchtbaren Austausch zwischen etablierten Perspektiven und neuen Ideen und schuf ideale Bedingungen für die Weiterentwicklung des Forschungsfeldes. Beiträge aus der aktuellen Forschung reichten von experimentellen Fortschritten zu hochdimensionalem Steering bis hin zu Anwendungen in der Quantentechnologie. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Interpretation des EPR-Paradoxons weiterhin Gegenstand lebhafter Debatten ist und über die Quantenphysik hinausreichende grundlegende Fragen aufwirft.
Wir danken der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung herzlich für die großzügige finanzielle und hervorragende organisatorische Unterstützung, die dieses Seminar ermöglicht haben.
Dr. Roope Uola, Uppsala University, Schweden
Dr. Martin Renner, ICFO Barcelona, Spanien
Dr. Ramona Wolf, U Siegen