Seminarbericht

Die Diagnostik in der Medizin wird von einer etablierten Auswahl an biophysikalischen Methoden dominiert. Ziel dieses Seminars, das vom 12. bis 16. Februar im Physikzentrum Bad Honnef stattfand, war es, moderne Methodenentwicklungen aufzuzeigen und zusammenzubringen, die enormes Potenzial in der Anwendung versprechen oder bereits an der Schwelle zum erfolgreichen Einsatz in den Kliniken stehen. Gewählte Schwerpunkte waren hierbei unter anderem die superauflösende Mikroskopie, die Nahfeldmikroskopie und die In-Zell-Spektroskopie.

Zu den Highlights zählte der Auftaktvortrag, in dem Hermann Einsele (UKW Würzburg) nachwies, dass eine individualisierte Immuntherapie bei Krebs von einer Begleitung durch die Superauflösungsmikroskopie profitiert. Marie Louise Groot (VU Amsterdam) zeigte, wie sich Biopsien von Kindern im Operationssaal mittels Generierung höher harmonischer Strahlung (SHG, THG) innerhalb von Sekunden analysieren lassen. Im Folgenden demonstrierte Jennifer Lippincott-Schwartz (HHMI Janelia Farm) eindrucksvoll eine Reise durch das Innere einer menschlichen Zelle mit einer Auflösung von wenigen Nanometern, erzielt durch Rasterelektronenmikroskopie (FIB-SEM). Unser gegenwärtiges Verständnis von den Abläufen in lebenden Zellen stellte Philipp Selenko (Weizmann-Institut) mit Hilfe der nichtinvasiven Methode der Kernmagnetresonanz (NMR)-Spektroskopie in Frage.

Beim Seminar trafen sich 50 internationale Teilnehmende aus Physik, Medizin, Biologie und Chemie, die eine Begeisterung für biophysikalische Methoden teilen. Die Vorträge deckten die ganze Bandbereite ab von spannenden Entwicklungen, die sich noch in den Grundlagen abspielen, bis hin zu Methoden, die bereits in den Kliniken erprobt werden. Die sehr lebendigen Diskussionen zu allen Beiträgen zeigte die erfolgreiche Fusion der verschiedenen Themenbereiche. Die ausführliche Postersitzung mit anschließender Preisverleihung unterstrich das hohe Niveau der teilnehmenden Promovierenden. Als Ergebnis des Seminars ist eine Vielzahl von Anregungen zu nennen, mit welchen Methoden und auf welche Weise eine engere Zusammenarbeit zwischen Forschenden aus Biophysik und Klinik die moderne Diagnostik weiter voranbringen kann.

Wir und die Teilnehmenden danken der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung für die hervorragende Organisation und die finanzielle Unterstützung dieses Seminars.

Prof. Dr. Tilman Kottke, U Bielefeld
Prof. Dr. Markus Sauer, U Würzburg
Prof. Dr. Joachim Heberle, FU Berlin