Seminarbericht
Integrierte Bewertungsmodelle (IAMs) sind Werkzeuge, um Wege zur Klimaneutralität zu untersuchen und Klimapolitik zu gestalten. Dennoch bestehen Herausforderungen bei der Verknüpfung von Erdsystemprozessen mit sozioökonomischen Dynamiken, der Darstellung von Rückkopplungen und Nichtlinearitäten sowie der Übersetzung von Modellergebnissen in gerechte Dekarbonisierungspfade. Ziel dieses Seminars, das vom 20. bis 24. April 2026 im Physikzentrum Bad Honnef stattfand, war es, zentrale Wissenslücken und Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft integrierter Bewertungsmodelle zu identifizieren. Im Mittelpunkt stand der interdisziplinäre Austausch zwischen Klima-, Energie-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Nachwuchsforschenden.
Das Seminar umfasste 23 wissenschaftliche Vorträge, 28 Poster, drei Rundgespräche und eine Podiumsdiskussion. Drei Hauptthemen wurden behandelt:
(1) Herausforderungen bei der Verknüpfung von Erdsystem- und sozioökonomischen Modellen, einschließlich der Rolle von Energie für wirtschaftliches Wachstum sowie der Berücksichtigung von Vielfalt- und Machtverhältnissen in Modellen und Szenarien;
(2) dynamische Modellierungsansätze wie System Dynamics, allgemeine Gleichgewichtsmodelle (CGE), Input-Output-Ansätze, Optimierung und komplexitätsbasierte Methoden zur Beschreibung rückkopplungsreicher Systeme, biophysikalischer Grenzen und technologischen Wandels; und
(3) Pfade zur Klimaneutralität mit Fallstudien zu sauberer Luft und Klimaschutz, Energiepreisvolatilität, industrieller Dekarbonisierung, Wertschöpfungsketten, Elektromobilität, Kreislaufwirtschaft, Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), Gesundheit, E-Fuels, Overshoot-Pfade und globalen Emissionsszenarien. Insgesamt zeigte das Seminar, dass zukünftige IAMs robuster, transparenter, reflexiver und politikrelevanter werden müssen.
In offener Atmosphäre führten die Teilnehmenden intensive Diskussionen während der Vorträge, der Postersitzung, der Pausen, der Mahlzeiten, der Exkursion, der Rundgespräche und der Podiumsdiskussion. Besonders wertvoll war die aktive Interaktion mit Studierenden, Postdocs und Nachwuchsforschenden. Die 28 Poster zeigten die Breite und Kreativität der nächsten Wissenschaftsgeneration. Das Seminar förderte neue Verbindungen zwischen Disziplinen und Wissenschaftsgruppen und unterstrich die Bedeutung quantitativer Modellierung, qualitativer Erkenntnisse, Stakeholder-Einbindung und politischen Dialogs. Wir danken der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung für ihre Unterstützung.
Prof. Dr. Yafang Cheng, MPI für Chemie, Mainz
Prof. Dr. Klaus Hubacek, U Groningen, Niederlande