Seminarbericht
Dieses Seminar, das vom 29. März bis 1. April im Physikzentrum Bad Honnef stattfand, versammelte mehr als 60 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Teilchen- und Kernphysik, Atom- und Molekülspektroskopie sowie der theoretischen, physikalischen und synthetischen Chemie. Im Mittelpunkt standen anhaltende Bemühungen zur ersten Beobachtung von Paritätsverletzung in molekularen Systemen – ein seit etwa 70 Jahren bestehendes Problem.
Pioniere des Forschungsgebiets gaben den Teilnehmenden einen Überblick über die Entwicklung eines Feldes, das vor drei Jahrzehnten noch von wenigen Forschenden geprägt war. Eine ausgewogene Mischung aus eingeladenen und eingereichten Vorträgen, Posterpräsentationen und Poster-Flash-Vorträgen vermittelte den aktuellen Stand der Forschung in seiner ganzen Breite. Dabei wurde deutlich, dass sich das Feld in einer dynamischen Aufbruchsphase befindet.
Mehrere experimentelle Ansätze lassen in den kommenden Jahren bedeutende Fortschritte erwarten. Dazu zählen unter anderem die Stark-Interferenz-Spektroskopie zweiatomiger Moleküle, Tunnelinterferenz in chiralen Molekülen, Rotations-Schwingungs-Spektroskopie chiraler Systeme im Molekülstrahl und in Ionenfallen sowie Kernspinresonanzspektroskopie chiraler Moleküle in Lösung. In all diesen Bereichen wurden in jüngster Zeit wichtige Durchbrüche erzielt.
Als zentrale gemeinsame Herausforderung kristallisierte sich die Identifikation geeigneter Targetmoleküle heraus. Entsprechend wurden aktuelle Entwicklungen und Konzepte aus der theoretischen und synthetischen Chemie intensiv diskutiert, vielversprechende Kandidaten evaluiert, neue Kooperationen initiiert und Strategien zur Umsetzung in den verschiedenen experimentellen Ansätzen erarbeitet.
Das Seminar verdeutlichte, dass die Forschung zur molekularen Paritätsverletzung in eine besonders spannende Phase eingetreten ist. Einhellig wurde der Wunsch geäußert, die Veranstaltung in wenigen Jahren zu wiederholen. Wir danken der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung herzlich für die hervorragende Unterstützung, die dieses Seminar ermöglicht hat.
Prof. Dr. Dmitry Budker, Dr. Konstantin Gaul, Helmholtz-Institut Mainz
Prof. Dr. Yuval Shagam, Technion, Haifa, Israel