Seminarbericht
Mit dem Start des deutschen Röntgenteleskops eROSITA im Jahr 2019 begann eine neue Ära der Erforschung unserer Milchstraße im Röntgenlicht. Die eROSITA-Himmelsdurchmusterungen haben zu einer Vielzahl neuer Entdeckungen geführt und liefern heute eine einzigartige Datengrundlage für das Verständnis von Sternen, kompakten Objekten, Supernova-Überresten, dem interstellaren Medium und großräumigen Strukturen in unserer Galaxis.
Vor diesem Hintergrund brachte dieses Seminar, das vom 14.–18. Juni 2026 im Physikzentrum Bad Honnef stattfand, internationale Expertinnen und Experten sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus zahlreichen Ländern zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Ergebnisse aus der Röntgenastronomie, ergänzt durch Beobachtungen im Radio-, Infrarot- und optischen Strahlungsbereich sowie theoretische Arbeiten zur Physik galaktischer Quellen.
Die Vorträge und Poster spannten einen Bogen von Sternen und stellaren Endstadien wie Neutronensternen bis hin zu Supernova-Überresten und großräumigen Wechselwirkungen zwischen Sternpopulationen und dem interstellaren Medium. Besonders deutlich wurde dabei der zentrale Stellenwert moderner Multiwellenlängenbeobachtungen für das Verständnis hochenergetischer Prozesse in unserer Galaxis. Die wissenschaftlichen Diskussionen profitierten zudem von den neuen Möglichkeiten, die sich durch aktuelle und zukünftige Missionen wie eROSITA, XRISM und NewAthena eröffnen.
Ein besonderes Merkmal des Seminars war die aktive Beteiligung hochqualifizierter Amateurastronomen. Vertreter des Deep Sky Collective sowie des Capella-Teams präsentierten optische Tiefenaufnahmen von außergewöhnlicher Qualität. Ihre Beobachtungen konzentrieren sich auf großflächige, diffuse Emissionsstrukturen, insbesondere Supernova-Überreste und ionisierte Gasnebel, die mit speziellen Filtern wie Hα, [O III] und [S II] durchgeführt werden. Durch Belichtungszeiten von zum Teil mehreren hundert Stunden erreichen diese Aufnahmen eine Empfindlichkeit, die im professionellen Beobachtungsbetrieb großer Teleskope aufgrund der begrenzten Beobachtungszeit oft nicht realisierbar ist. Die Daten haben bereits zu neuen Entdeckungen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen geführt. Der direkte Austausch zwischen professionellen Forschern und Amateurastronomen erwies sich als außerordentlich fruchtbar und führte bereits während des Seminars zu neuen Projektideen und Kollaborationen.
Das Seminar förderte den wissenschaftlichen Austausch über Fachgrenzen hinweg, stärkte bestehende Kooperationen und initiierte neue gemeinsame Forschungsprojekte. Das Physikzentrum Bad Honnef bot hierfür einen idealen Rahmen. Die Organisatoren danken der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung herzlich für die großzügige finanzielle und organisatorische Unterstützung, ohne die diese Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre. Ein besonderer Dank gilt darüber hinaus dem Team des Physikzentrums Bad Honnef, dessen Professionalität, Engagement und außerordentliche Gastfreundschaft wesentlich zum Erfolg und zur angenehmen Atmosphäre des Seminars beigetragen haben.
Prof. Dr. Werner Becker, MPI für extraterrestrische Physik, Garching
Prof. Dr. Manami Sasaki, Dr. Karl Remeis-Sternwarte, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg