Seminarbericht
Dieses erste baltisch-deutsche WE-Heraeus-Seminar fand vom 15. bis 18. März 2026 im Physikzentrum Bad Honnef statt und brachte rund 70 Forschende zusammen, überwiegend aus Deutschland, Lettland und Litauen. Dabei wurde deutlich, dass Fortschritte in den Quantentechnologien nur im engen Austausch zwischen Grundlagenphysik, Material- und Bauelemente-Forschung, Metrologie sowie anwendungsnaher Entwicklung gelingen. Das Seminar stellte benachbarte Themen nicht nur nebeneinander, sondern schuf eine gemeinsame Sprache zwischen Fachcommunities, die in dieser fachlichen Breite selten zusammenkommen.
Eine Säule des Programms war die atomare, optische und spinbasierte Sensorik. Beiträge zur Vektorlicht-Magnetometrie, zur diamantbasierten Bildgebung topologischer Texturen, zu Primärstandards für das Tesla, zur Batteriecharakterisierung mit optisch gepumpten Magnetometern sowie zu levitierten Ferromagneten spannten den Bogen von Grundlagen der Atom-, Molekular- und optischen Physik über rückführbare Messtechnik bis zu konkreten Anwendungsperspektiven. Zugleich wurde deutlich, wie eng diese Felder mit magnetischen Materialien und der Bauelemente-Entwicklung verflochten sind.
Eine zweite Säule bildete die Metrologie. Dabei wurden anhand des quantisierten anomalen Hall-Effekts als möglichem Quanten-Widerstandsnormal bei Nullfeld sowohl das Potenzial topologischer Materialien als auch die weiterhin hohen Anforderungen an deren Qualität deutlich. Weitere Vorträge spannten einen Bogen von Einzelelektronenpumpen für die Realisierung der Einheit Ampere über Experimente zur Kontrolle einzelner ballistischen Elektronen in Halbleitern bis hin zur Elektronen-Quantenoptik mit starker Coulomb-Nichtlinearität. Damit wurde sichtbar, wie Konzepte der Präzisionsmetrologie unmittelbar in neue Ansätze für Sensorik und Quanteninformationsverarbeitung hineinwirken.
Das Seminar profitierte von einer starken Beteiligung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Kurze Poster-Blitzvorträge lösten intensive Diskussionen aus, die weit über die eigentliche Postersitzung hinaus anhielten. Besonders wertvoll war auch die insbesondere durch die University of Latvia und ihre Partner vorangetriebene engere Vernetzung der baltischen Arbeitsgruppen mit deutschen Institutionen und der Ausbau von Kooperationen. Insgesamt stärkte das Seminar die deutsch-baltischen Beziehungen und lieferte einen Baustein für eine bessere Abstimmung der Forschungsanstrengungen zu Quantentechnologien in der baltischen Region, in Deutschland und in Europa. Wir danken der WE-Heraeus-Stiftung für die großzügige Förderung.
Prof. Dr. Dmitry Budker, U Mainz
PD Dr. Frank Hohls, PTB Braunschweig
Dr. Gunta Kunakova, Prof. Dr. Vyacheslavs Kashcheyevs, University of Latvia, Lettland